(zur Unterstützung von E-Learning-SupportmitarbeiterInnen und Lehrenden)
Sie möchten Ihre Lehrenden bei der Durchführung von Lernfortschrittskontrollen und vielleicht sogar Prüfungen direkt am Computer unterstützen?
In dieser Wissenssammlung haben wir, die Autorinnen und Autoren der DINI-AG E-Learning und edu-sharing.net, für Sie Wissenswertes
für die Vorbereitung und Durchführung von E-Prüfungen/ E-Assessments“ zusammengestellt.
Neben einem Blick auf die Wirtschaftlichkeit und mögliche Mehrwerte von E-Assessments beleuchten wir die 4 wichtigsten Themenfelder
Organisation
Didaktik
Technik
Recht
E-Learning-Supporteinrichtungen möchten wir mit dieser Wissenssammlung bei der Beratung von E-Assessment-Interessierten an ihrer Einrichtung unterstützen. Dafür finden Sie Verweise auf weitere Informationsquellen, Beispiele aus der Praxis und Checklisten.
Wissenssammlung E-Prüfung / E-Assessment
Arten und Einsatzzwecke von E-Assessments
Auf dieser Informationsportalseite haben wir Ihnen einen Überblick über das Thema "E-Assessments" zusammengestellt. Mit E-Assessment meinen wir im engeren Sinne E-Prüfungen und Selbsttests. Im erweiterten Sinn werden elektronische Fragebögen allerdings auch für Berufs- und Studienorientierung und zur Qualitätssicherung von Lehre und anderen Aktivitäten eingesetzt:
Diagnostisches Assessment wird z.B. bei zur Studienorientierung oder bei Zulassungs- oder Einstufungstest in Kursen verwendet.
Formatives Assessment dient häufig der eigenen Lernfortschrittskontrolle oder für Zwischentests innerhalb eines Kurses
Summative Assessments sollen die absolute oder relative (vorher-nachher) Kompetenz nach einem Kurs oder einer anderen Lernphase feststellen.
Auch für Qualitätssicherung werden häufig elektronische Fragebögen eingesetzt.
Vorteile und mögliche Mehrwerte von E-Assessments
Mit der Umsetzung des Bologna-Prozesses zur Harmonisierung der Bildung in Europa steigt die Frequenz von Lernfortschrittskontrollen, welche den Erwerb relevanter Kompetenzen belegen sollen. Betrachtet man gleichzeitig die hierfür verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen, so wird klar, warum aktuell das Thema „E-Assessments“ zu den „heißesten Themen“ in der E-Learning Gemeinschaft gehört. Dies äußert sich unter anderem in einer Vielzahl hochwertiger Wissenssammlungen und Veröffentlichungen auf diesem Gebiet.
Das erste Argument, welches im Zusammenhang mit E-Assessments gebraucht wird, ist meist der Effizienzgewinn durch die Möglichkeit automatischer Ergebnis-Auswertungen. Doch die möglichen Vorteile dieser Prüfungsform gehen weit darüber hinaus. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über mögliche Mehrwerte für Lehrende und Lernende:
Mehrwerte für Lehrende
Mehrwerte für Lernende
Zeitersparnis durch automatische Auswertung bei bestimmten Fragetypen
Eindeutige Bewertung und hohe Objektivität bei automatisierter Überprüfung der Ergebnisse
Veränderte Fragemöglichkeiten durch den Einsatz von Medien
Statistische Auswertungen der Ergebnisse und Qualitätssicherung der Inhalte
Vorgabe von Lernwegen und Lernzielen
Berufsnahe und handlungsorientierte Ausbildung und PrüfungGemeinsame Nutzung mit Anwendungssoftware
Bessere Lesbarkeit der Ergebnisse durch maschinelle Eingabe
Schnelles Feedback durch automatisierte Auswertung
Übungseffekte durch Selbsttests möglich
Detaillierte Lernfortschrittskontrolle
eventuell Reduzierung von Prüfungsangst durch Probeklausuren
Nutzung von Medien und interaktiven Fragestellungen
Objektive Bewertung
Eingaben können beliebig oft verändert werden
Natürlich gibt es auch kritische Anmerkungen und Befürchtungen zur Einführung von E-Assessments.
Befürchtungen von Lehrenden
Befürchtungen von Lernenden
Beschränkung der Prüfung auf digitalisierbares Wissen
Hoher Aufwand bei der Erstellung der Fragenpools
keine Rückkopplung zum Lernenden
Rechtssicherheit
keine Berücksichtigung von alternativen Lösungswegen
Unterschiedliche Lösungswege können nicht berücksichtigt werden
Tippgeschwindigkeit hat Einfluß auf das Prüfungsergebnis
Teilwissen kann nicht mehr eingebracht werden
Technikversagen
Viele dieser Befürchtungen lassen sich jedoch zerstreuen. So können Computerkenntnisse bei den Lernenden weitestgehend als Voraussetzung für das Studium angesehen werden. Zu diesem Befund kommt auch eine Befragung an der Universität Duisburg Essen (siehe weiterführende Informationen). Die Befürchtung von Lehrenden, dass mit Hilfe von E-Assessments nur Faktenwissen abgeprüft werden kann, wird von erfahrenen E-Prüfern wie dem ZMML der Uni Bremen widersprochen.
Diese Aufzeichnung eines Vortrags von J. Bücking auf der CSPC-Tagung 2011 bietet einen hervorragenden Einstieg in das Thema E-Assessments.
Eine unterhaltsame Einführung in das Thema Fragenerstellung bietet diese Aufzeichnung eines Vortrags von Karsten Wolf auf einer Tagung vom 22. November 2010.
Arten von E-Assessments
Weitere einführende Informationen finden Sie hier:
Ganz gleich für welche Art von E-Assessments man sich entscheidet - ihre Vorbereitung und Durchführung erfordern Planung und Management. Hierbei können Ablaufpläne und Checklisten helfen.
Die folgende Grafik zeigt den prototypischen Ablauf eines E-Assessments:
Mit Hilfe von Lernfortschrittskontrollen und Prüfungen soll die Erreichung der Lernziele einer Lehrveranstaltung überprüft werden. Die Unterstützung bei der Erstellung guter E-Assessments erfordert ein Grundwissen über die Arten von Lernzielen. Nur so können die richtigen Fragetypen und -konstruktionen empfohlen werden.
Einen kurzen Überblick über verschiedene Fragetypen und abprüfbare Lernziele bietet diese Übersicht.
Aktuell existiert eine Vielzahl kommerzieller und freier Systeme, mit denen sich E-Assessments umsetzen lassen. Einige der Lösungen ergänzen den Funktionsumfang von verbreiten Lernmanagementsystemen wie moodle, ILIAS und Blackboard. Es empfiehlt sich daher, das an Ihrer Einrichtung genutze LMS auf seine Testfunktionen zu prüfen. Neben der Verfügbarkeit sollten das mögliche Einsatzspektrum, die intuitive Nutzbarkeit, die Zuverlässigkeit und Fehlersicherheit sowie die Anpassbarkeit des Systems als Auswahlkriterien abgeprüft werden.
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen eine Auswahl von verfügbaren Systemen:
Lernfortschrittskontrollen und Prüfungen werden je nach ihrer Relevanz für den Bildungsweg schnell zum Grund für Beschwerden. Das ist bei E-Assessments nicht anders. Im Gegenteil – im Bezug auf die Chancengleichheit und die technische Sicherheit entstehen neue Angriffspunkte für den Prüfungsprozess. Es empfiehlt sich daher die Rechtsfragen während der Planung und Umsetzung von E-Assessments stets im Auge zu behalten.
Die Verankerung derartiger Prüfungsformen in der Prüfungsordnung ist unabdingbar. Eine Übersicht angepasster Prüfungsordnungen und eine Checkliste für die Anpassung findet sich in den weiterführenden Links.
Der sichere Betrieb der technischen Lösung muss jederzeit gewährleistet und dokumentiert werden.
Genau wie bei „klassischen“ Prüfungen sind auch bei Anmeldung zu elektronischen Prüfungen bestimmte Anforderungen zu beachten. Wichtige Hinweise hierzu finden Sie in den weiterführenden Links.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sicherstellung der Zuordnung von Prüfungsergebnissen zum Prüfling. Hier sind verschiedene technische Lösungen möglich. Ein optimaler Weg besteht in einer Identifikation über eine Chipkarte und eine eindeutige TAN am System. Im Normalfall wird jedoch die Vorlage des Personal- oder Studentenausweises zur Authentifizierung genutzt. Kann keine elektronische Identifikation durchgeführt werden, besteht die Möglichkeit, die komplette Klausur oder eine entsprechende Bestätigung unterschreiben zu lassen.
Nach einem Absturz oder Ausfall eines PCs während der Prüfung muss diese an genau der gleichen Stelle fortgesetzt werden können.
Chancengleichheit und Fairness spielen eine große Rolle, insbesondere wenn Sie zur Vermeidung von Täuschungsversuchen zufällige Fragen aus einem Fragenpool an die Prüflinge ausgeliefert werden oder wenn mehrere Prüfungsdurchgänge notwendig sind. Hier muss bei der Erstellung der Fragen besonderes Augenmerk auf einen homogenen Schwierigkeitsgrad gelegt werden.
Weiterhin sollte auf die besonderen Prüfungsbedingungen für Personen mit Behinderungen und krankheitsbedingte Beeinträchtigungen geachtet werden. Für die Steigerung der Akzeptanz elektronischer Prüfungen eignet sich das Angebot von Übungsklausuren.
Nicht zu unterschätzen ist der organisatorische Aufwand für die Umsetzung des Ausdrucks und der anschließenden Archivierung. Beachten Sie hierfür die Angaben Ihrer Prüfungs- oder Immatrikulationsordnung. Die archivierten Ergebnisse müssen nachweisbar innerhalb vorgeschriebener Fristen unverändert gespeichert und regelmäßig gesichert werden.
Links zum Thema "Verankerung von E-Assessments in die Prüfungsordnung"